„An die Leute, die nicht an den Klimawandel glauben: Fangt mal an Euer Geld zu zählen und dabei die Luft anzuhalten.“

HAMBI – Der Kampf um den Hambacher Wald
Foto: Michael Goergens

HAMBI – Der Kampf um den Hambacher Wald wird am 4. November 2019 die 43. Duisburger Filmwoche eröffnen. In dem Film von Lukas Reiter (Redaktion ZDF/Das Kleine Fernsehspiel) treffen entgegengesetzte Blickwinkel aufeinander: Oben in den Baumhäusern und unten bei den Polizeiaufmärschen, bei den Protestliedern umgeben von gepanzerten Fahrzeugen im Waldstück Hambacher Forst. Es wird mit schwerem Gerät geräumt. An diesem Ort kulminiert der Konflikt um die Zerstörung der Natur durch den RWE-Konzern und den friedlichen Widerstand.

Unter den insgesamt 24 Filmen im Programm des Festivals finden sich außerdem aktuelle Produktionen von in Duisburg bereits bekannten Namen wie Thomas Heise, Lukas Marxt, Bernd Schoch oder Katrin Schlösser. Daneben werden zahlreiche junge Filmschaffende, etwa Katharina Kraft, Therese Koppe oder Matthias Lintner, erstmals Arbeiten in Duisburg vorstellen.

„Die Auswahl setzt neue Akzente und bleibt zugleich der Tradition des Festivals treu, eigenwilligen Positionen Raum zu geben. Neugierig machen die vielfältigen ästhetischen Zugänge und persönlichen Handschriften der Autor*innen – quer durch die Generationen, Länder und Produktionskontexte“, erklären Gudrun Sommer und Christian Koch, das Leitungsteam des Festivals.

Folgende Dokumentarfilme stehen außerdem für das Programm der 43. Filmwoche fest: Bewegung eines nahen Bergs von Sebastian Brameshuber (AT,FR 2019, 85′), Fortschritt im Tal der Ahnungslosen von Florian Kunert (DE 2019, 67′), Im Stillen Laut von Therese Koppe (DE 2019, 73’), Madame von Stéphane Riethauser (CH 2019, 94′) und Taste of Hope von Laura Coppens (CH, DE 2019, 71′). Anfang Oktober veröffentlicht das Festival das gesamte Programm der 43. Duisburger Filmwoche.

 

PROGRAMMVORSCHAU

In Bewegung eines nahen Bergs von dem österreichischen Regisseur Sebastian Brameshuber geht es um Rohstoffe, Verwertungsketten und Heimat. Der selbstgelernte Mechaniker Clifford betreibt unweit einer Erzmine in den Steirischen Alpen eine Autowerkstatt. Er kauft Autos an und handelt mit ihnen: Entweder er versilbert sie im nahen Grenzgebiet zu Ungarn oder schlachtet die PKW aus, um die Ersatzteile in seine nigerianische Heimat zu verkaufen.

Bewegung eines nahen Bergs
Foto: Filmgarten

 

Fortschritt im Tal der Ahnungslosen zeigt zunächst irritierende Bilder: Syrische Asylbewerber fahren mit einem Trabbi durch Ostsachsen, hissen kichernd und in FDJ-Uniform die DDR-Flagge und präsentieren Mähdrescher aus dem Kombinat „Fortschritt“. In das Tal, in dem der Film spielt, drang zu DDR-Zeiten kein Westfunk vor. Nun sind dort Fremde angekommen, die mit den Dortgebliebenen die Geschichten des jeweils anderen erkunden. Fortschritt im Tal der Ahnungslosen ist der Abschlussfilm von Florian Kunert an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Fortschritt im Tal der Ahnungslosen

 

In Im Stillen Laut von Therese Koppe öffnet sich eine Kellertür, der Blick fällt auf bunte Skulpturen, dann weites Land. Gefängnis, Kunst, Freiheit – zwischen diesen Polen bewegen sich die Biographien von Erika und Tine, 81, und seit 40 Jahren ein Paar. Mehr leise als laut erzählen ihre Fotografien, Videoaufnahmen, Tagebuchnotizen und Briefe von kreativer Verwirklichung, Liebe und selbstgeschaffenen Freiräumen vor und nach der Wende.

Im Stillen Laut
Foto: Filmuniversität Babelsberg

 

Madame von dem schweizerischen Filmemacher Stéphane Riethauser ist ein doppeltes Portrait. Von Caroline, der hochbetagten Grand Dame und Geschäftsfrau, und Stéphane, dem geliebten Enkel und Regisseur des Films. Gegen die Gesetzlichkeiten ihrer bourgeoisen Genfer Familie wollte sie keine Gattin sein und er kein „echter“ Mann. Aus alten und jüngeren Archivaufnahmen treten zwei Menschen hervor, die schillern im Grau der Konvention.

Madame

 

Die in Bern lebende Regisseurin Laura Coppens beschreibt in Taste of Hope das hoffnungsvolle Engagement von Arbeiterinnen und Arbeitern einer Teefabrik, nachdem ein Großkonzern längst anderswo billigere Arbeitskraft gefunden hat. Organisiert zur Kooperative betreibt die Belegschaft der Teefabrik ihre Produktion und ihr Geschäft weiter. Immer auf der Schwelle zwischen sozialer Mission und pragmatischer Profitmaximierung, diskutieren die Arbeiter gemeinsam, nach welchen Regeln sie spielen wollen.

Taste of Hope