Die Duisburger Filmwoche setzt auf das Kino und plant für die 44. Auflage vom 2. bis 8. November 2020 eine Festivalausgabe im Duisburger filmforum. „Ein Großteil der Filme, die in Duisburg gezeigt werden, ist für die große Leinwand konzipiert, gedreht und montiert. Diesen ästhetischen und rezeptiven Anspruch gilt es für uns als Festival bei allen erwartbaren Einschränkungen einzulösen“, erklärt das Leitungsteam Gudrun Sommer und Christian Koch. In diesem Sinne arbeitet die Filmwoche zusätzlich mit ausgewählten Kinos in sechs Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Begleitet wird die diesjährige Ausgabe von einem für die akkreditierte Fachbranche konzipierten Online-Angebot.

Die Umsetzung des Festivals unter den Bedingungen der Corona-Pandemie geht einher mit einer Reduktion des Programms, wobei alle Auszeichnungen wie bisher vergeben werden können. Die Jurys des 3sat- und ARTE-Dokumentarfilmpreises, der „Carte Blanche des Landes NRW“ sowie des Preises der Stadt Duisburg werden vor Ort im Kino die nominierten Beiträge sichten und diskutieren. Zugangsbeschränkungen für das Publikum orientieren sich an den im November bestehenden Maßgaben.

Dabei gilt es, den Dialog, für den die Duisburger Filmwoche mit dem diesjährigen Festivalmotto ANSPRUCH steht, fortzuführen. „Was Festivals im Gegensatz zu Streaming-Plattformen leisten, ist der unmittelbare Austausch zwischen Filmschaffenden und ihrem Publikum. Auf dieses gemeinsame Sehen und Sprechen, die körperliche Präsenz, wollen wir nicht verzichten“, so die Festivalleitung. Wie gewohnt stellen sich die Regisseur*innen im Anschluss an die Filme im Publikumsgespräch den Fragen und Anmerkungen der Zuschauer*innen. Jedes Gespräch in Duisburg wird protokolliert. Gleiches gilt für die sogenannten Satellitenveranstaltungen.

So soll der Anspruch des gemeinsamen Diskurses auch in den sechs kooperierenden Kinos wirken. Hier fungieren derzeitige und ehemalige Kommissionsmitglieder*innen als Gastgebende und moderieren die Publikumsgespräche mit den eigens dafür angereisten Filmschaffenden. Dafür konnten renommierte Filmtheater als Spielstätten gewonnen werden. Die Filmwoche ist mit einer Auslese des Programms im Kino Xenix (Zürich), im Arsenal (Berlin) und im Österreichischen Filmmuseum (Wien) zu Gast. Zusätzlich sind Vorstellungen in München, Hamburg und Köln in Vorbereitung. „Aufgrund der Einschränkungen können wir in Duisburg nicht so viele Zuschauer*innen begrüßen“, so Christian Koch. „Deshalb haben wir uns für ein dezentrales Festivalkonzept entschieden, mit dem wir die Filme näher an die Kinos und die Kinos näher zu unserem Publikum bringen können.“

Parallel zur Vorführung in Duisburg werden für das Fachpublikum alle Wettbewerbsfilme online zur Verfügung gestellt. „Wir sehen keinen Antagonismus zwischen Streaming und der Leidenschaft für das Kino“, sagt Gudrun Sommer. In Form eines geo-geblockten Online-Angebots mit Akkreditierten-Zugang wird nicht nur eine Absicherung für alle Eventualitäten der Pandemie geschaffen, sondern der Branche in diesem besonderen Jahr eine Teilnahme ohne Anreise ermöglicht. Außerdem wird das virtuelle Programm durch digitale Diskursformate ergänzt.

Die Sichtungen der Duisburger Filmwoche haben bereits begonnen. Das Auswahlgremium, bestehend aus dem österreichischen Autor und Filmwissenschaftler Alejandro Bachmann, der Filmemacherin Bettina Braun, der Regisseurin Anja Dreschke, der Filmemacherin und Produzentin Alex Gerbaulet, dem Medienwissenschaftler Jan Künemund und dem Schweizer Filmemacher und Produzenten Luc Schaedler, sichtet gemeinsam mit der Festivalleitung im filmforum Duisburg bereits die ersten Einreichungen. Weitere Einzelheiten zu Akkreditierung, Programmstruktur und Wettbewerb werden im September veröffentlicht.