Die 44. Duisburger Filmwoche widmet sich erstmals der seriellen dokumentarischen Form. Im Rahmen eines Konferenztages stellen deutsche und europäische Referent*innen Projekte und ihre Erfahrungen vor. Ein Praxisbericht aus der Perspektive von Filmschaffenden, Produzent*innen und Marktexpert*innen zur horizontal erzählten Wirklichkeit.

Der Erfolg serieller Formate im TV und Streaming ist ungebrochen. Auch die Dokumentarfilmschaffenden zeigen sich experimentierfreudig und erzählen zunehmend in Serie – mit großem Publikumszuspruch. "Tiger King" oder "The Last Dance" sind nur die jüngsten globalen Phänomene, die zeigen, wie man populär und komplex zugleich erzählen kann.

„Die Zuschauer kamen wegen der Morde und blieben wegen der Form.“ Für die True-Crime- Produzenten Mark und Jay Duplass („Wild Wild Country“, „Evil Genius“) hat die serielle Dramaturgie ein „völlig neues Reich des Storytelling“ eröffnet. Dessen Potenzial steht im Fokus eines neuen Festivalformats, das am Eröffnungstag (2. November 2020) im Kino filmforum stattfindet. Konzipiert  und moderiert wird die Konferenz von Torsten Zarges, Medienjournalist und Experte für Serienformate sowie Managing Partner der Agentur Zarges creative talent connection.

„Für Produzenten und Filmemacher aus dem Dokumentarischen tun sich momentan historische Chancen auf. Durch die richtige Verknüpfung von Erzählform und Distributionsplattform erzielen sie Reichweiten wie nie zuvor", so Torsten Zarges. "Ich freue mich, dass die Duisburger Filmwoche als eines der traditionsreichsten Dokumentarfilmfestivals diesen Trend aufgreift und kritisch unter die Lupe nimmt. Wir haben ein hochkarätiges internationales Line-up gewonnen, um verschiedenste Facetten der Doku-Serie zu diskutieren."

Zwei namhafte europäische Kenner der Produktionslandschaft geben ökonomische und persönliche Einblicke: Guy Bisson, Mitgründer und Forschungsleiter der Medienanalysefirma Ampere Analysis (London), präsentiert einen internationalen Markt- und Trendüberblick. Mit Regisseur und Produzent Justin Webster spricht in Duisburg ein Pionier des Formats. Für seine Fußball-Serie „Six Dreams“ gewann er den Emmy, die jüngste Produktion „Nisman“ feierte 2019 in San Sebastian Premiere. Websters Keynote „Captivating audiences. Why I make docuseries“ findet in Kooperation mit dem Creative Europe Desk NRW statt.

„Die Auseinandersetzung mit dokumentarischen TV-Formaten hat in Duisburg Tradition. Das Doku-Drama, die Doku-Soap oder selbst Kochsendungen wurden ab Mitte der 90er Jahre auf dem Festival intensiv diskutiert. Mit dem Konferenztag wollen wir daran anknüpfen. Uns interessieren diese experimentierfreudigen Entwicklungen im Fernsehen und auf Streaming-Plattformen aus künstlerischer und ökonomischer Perspektive“, erklären die Festivalleiter*innen Gudrun Sommer und Christian Koch

Zwei Case Studies veranschaulichen Erfahrungen aus der Praxis in Deutschland und Skandinavien. Die Filmemacherin Marie Wilke und ZDF-Redakteur Jörg Schneider präsentieren mit „Höllental“ die erste dokumentarische Serie der Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“. Wilke, mehrmals in Duisburg zugegen und 2018 mit „Aggregat“ Gewinnerin des Carte Blanche-Nachwuchspreises, geht in dem Sechsteiler dem Mord an Peggy Knobloch nach. Als Koproduzentin war auch Sigrid Jonsson Dyekjær bereits mit dem Film „Safari“ von Ulrich Seidl in Duisburg vertreten und ist dieses Jahr Oscar-nominiert für ihre syrisch-dänische Doku „The Cave". Ihre Firma Danish Documentary Production realisiert seit 2007 international prämierte Dokumentarfilme. Gemeinsam mit der Regisseurin Mikala Krogh berichtet sie in Duisburg über die Arbeit an „Scandinavian Star“, einer Serie über ein nie aufgeklärtes Fährunglück. Für ein Diskussionspanel sind außerdem Jennifer Mival, Manager Unscripted & Doc Series bei Netflix, Eva Müller, Projektleiterin von „docupy“ (ARD/WDR/btf), SPIEGEL-Redakteurin Hannah Pilarczyk und Martin Spieker, Chefredakteur Filmreif TV (Produzent der SWR-Serie „Bayreuther Straße“), zu Gast.

Anmeldungen für den Konferenztag „Wie weiter? Erzählerische und journalistische Potenziale der Doku-Serie“ sind ab dem 17. September 2020 möglich. Nähere Informationen zur Teilnahme werden Mitte September auf www.duisburger-filmwoche.de veröffentlicht. Die Veranstaltung wird unterstützt von der Film- und Medienstiftung NRW.