Dem aktuellen und historischen Filmschaffen von Frauen widmet die 44. Duisburger Filmwoche zwei Rahmenprogramme des Festivals. In Kooperation mit ZDF/3sat stellt Elena Meilicke im 3sat-Extra das Werk der Dokumentaristin Rosa Hannah Ziegler vor. Für das diesjährige ARTE en plus spricht Friederike Horstmann mit Birgit Kohler über den Kontext der feministischen Filmbewegung der Aktivistinnengruppe „Les Insoumuses“ im Frankreich der 1970er Jahre. Beide Gesprächsformate und das filmhistorische Programm en plus sind auf dem Online-Portal des diesjährigen Festivals abrufbar.

3sat-Extra: Rosa Hannah Ziegler im Gespräch mit Elena Meilicke

„Ihr Thema sind Familienbeziehungen, die von Brüchen geprägt sind, ihre Protagonist*innen Menschen, die Vernachlässigung und Missbrauch erlebt haben. Sie sind traumatisiert und finden dafür, entgegen landläufiger Erwartung, Worte – schöne und genaue, förmliche und ausgefallene.“ (Elena Meilicke)

Intime und einfühlsame Einblicke in die Dynamik und Struktur von Familien sind wiederkehrenden Themen in der Arbeit von Rosa Hannah Ziegler. Über ihre Herangehensweise an das dokumentarische Arbeiten und das Sprechen ihrer Protagonist*innen im Film spricht die Autorin mit der Kritikerin und Medien-und Kulturwissenschaftlerin Elena Meilicke. Meilicke wurde 2017 mit dem Siegfried-Kracauer-Preis für Filmkritik ausgezeichnet und ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin. Die Grimme-Preisträgerin Rosa Hannah Ziegler war bei der Duisburger Filmwoche 2018 mit Familienleben zu Gast und ist dieses Jahr mit ihrem Beitrag für die 3sat-Reihe „Ab 18!“ Ich habe dich geliebt im Wettbewerb. Bei doxs! waren ihre Kurzfilme „A Girl’s Day“ (2015) und „Du warst mein Leben“ (2017) für die GROSSE KLAPPE nominiert.

Das Gespräch wurde im Oktober 2020 aufgezeichnet und ist ab Dienstag, 3.11./ 11.00 Uhr auf der Online-Plattform des Festivals abrufbar.

ARTE en plus: Friederike Horstmann im Gespräch mit Birgit Kohler

Video als Medium der Emanzipation und Intervention war die Triebfeder des französischen Kollektivs „Les Insoumuses“ um die Videoaktivistinnen Carole Roussopoulos und Delphine Seyrig in den 1970er Jahren. Das ARTE en plus zeigt die Arbeiten Maso et Miso vont en bateau (FR 1976, 55 Min.) und S.C.U.M. Manifesto 1967 (FR 1976, 28 Min.) Mit Subversion und Humor eignen sich die Filmemacherinnen in Maso et Miso vont en bateau Filmmaterial einer chauvinistisch geprägten TV-Talk-Show an und kontrakarieren es mit eigenen Schrift-und Filminserts und Voice-Over-Kommentaren. In S.C.U.M. Manifesto 1967 übersetzen die Aktivistinnen ein radikal-feministisches Manifest von Valerie Solanas ins Französische und verflechten es auf der Bildebene mit Nachrichtenbildern eines männlich dominierten Weltgeschehens. In ihrem schriftlich aufgezeichneten Gespräch reflektiert Friederike Horstmann mit der Kuratorin des Programms, Birgit Kohler, diese Zeitdokumente feministischer Filmkunst. Friederike Horstmann arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am filmwissenschaftlichen Seminar der Freien Universität Berlin und schreibt zu Kino und Kunst in verschiedenen Magazinen. Sie ist Mitherausgeberin der Ausgabe „Feminismus und Film“ des Onlinemagazins „nach dem Film“. Birgt Kohler ist Co-Direktorin des Arsenal – Institut für Film und Videokunst in Berlin und publiziert zu zeitgenössischem Dokumentarfilm. Sowohl die Filme als auch der Text zum Gespräch von Horstmann und Kohler sind ab Donnerstag, 5.11. / 18.00 Uhr auf der Online-Plattform des Festivals abrufbar.

Akkreditierung für FIWO Online

Die Akkreditierung für den Online-Zugang ist für Fachpublikum und Pressevertreter*innen über die Website der Duisburger Filmwoche möglich. Dort werden alle Wettbewerbsfilme parallel zum Festivalprogramm in Duisburg für 72 Stunden hochgeladen und stehen in Deutschland (geo-geblockt) als Stream zur Verfügung. Außerdem finden sich dort Gespräche und Textbeiträge von Filmkritiker*innen und Medienwissenschaftler*innen zu den einzelnen Filmen.

ARTE- Dokumentarfilmpreis und 3sat-Dokumentarfilmpreis

Die enge Partnerschaft des Festivals mit 3sat und ARTE zeigt sich auch in der langjährigen Vergabe der renommiertesten Preise des Festivals. Zwei unabhängige Jurys werden von den Sendern für jeweils drei Jahre berufen. Seit der 43. Duisburger Filmwoche ist die Jury des ARTE-Dokumentarfilmpreises mit Esther Buss, Christian Popp und Serpil Turhan besetzt. Die Film-und Kunstkritikerin Esther Buss schreibt u.a. für kolik.film, Jungle World, Filmedienst und SISSYMAG. Christian Popp ist Produzent, Tutor und Berater für den Bereich Dokumentarfilm. Er ist Experte für das MEDIA Desk Schweiz und seit 2019 Kurator beim FIPADOC International Documentary Festival in Biarritz. Die Filmemacherin Serpil Turhan war in den Jahren 2010, 2013 und 2016 selbst mit ihren Filmen bei der Filmwoche zu Gast. Zurzeit hat sie eine Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe inne.

Für die Jury des 3sat-Dokumentarfilmpreises sind Michael Baute, Gabriele Mathes und Julia Zutavern berufen. Michael Baute ist Journalist und Autor für verschiedene Fachpublikationen sowie Dozent für Filmgeschichte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Gabriele Mathes ist im Vorstand des Drehbuchforum Wien und leitet dort seit 2006 das Jugendfilmfestival „video&filmtage“. Sie saß diversen Film-Auswahljurys bei und ist seit 2020 Mitglied des Filmbeirats des BMKOES (Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport) in Österreich. Die Filmwissenschaftlerin Julia Zutavern war Mitherausgeberin von Montage AV und schreibt für diverse Zeitungen und Magazine. Die beiden Preise sind jeweils mit 6.000 Euro dotiert. Nominiert sind alle Langfilme des Wettbewerbs. Die Bekanntgabe der Preise findet in diesem Jahr am Montag, den 9. November online statt.