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Duisburger Schule

Workshops

Die Filmwoche bietet für Interessiere einen konzentrierten Rahmen, um in intensiven Austausch mit Filmemacher:innen und Akteur:innen der Filmkultur zu treten. Im Jubiläumsjahr des Festivals drehen sich die Workshops um das Thema „Arbeiten für das Kino“.

Ganz praktisch, aber auch theoretisch: Was bedeutet es, Kinos als Abspielstätten des Dokumentarischen zu stärken? Zu Orten der sinnlichen Wahrnehmung, des Diskurses, der Erfahrung von Materialität, aber auch der Begegnung und dem Verweilen zu machen? Welcher Praxis, Haltung, aber auch Überlegungen bedarf es, um Kinos zu beleben und dem Dokumentarfilm darin Programmplätze einzuräumen? Denn Filme brauchen diesen Ort der Vertiefung, der Intimität, um unsere Affekte zu erreichen, Vorsprachliches wach zu rufen, das sonst nie in uns anklingen könnte. Doch auf Grund von Verwertungslogiken und marktwirtschaftlicher Ausrichtung vieler Kinos hat es der künstlerische Dokumentarfilm nach wie vor schwer. Es bedarf also konkreter Anstrengungen und Arbeit, um ihn aufzuführen und einen Raum zu schaffen, ihm zu verhelfen eine Wirkung zu entfalten und Zugänge zu legen.

Vier Workshops beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage, was diese Arbeit sein könnte und wie sie bereits stattfindet – die Arbeit für das Kino und den Dokumentarfilm darin. Expert:innen aus den Bereichen Archiv, Filmvermittlung, Kuration und Kinogeschichte bringen Beispiele aus ihrer Arbeit mit, die in den Workshops diskutiert und für die eigene Praxis angeeignet werden können.

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen an Hannah Straßheim bis zum 28.10.26. Die Plätze sind begrenzt: strassheim@duisburger-filmwoche.de


Programm 2026

Mittwoch, 4. November, 13:45–16:30 Uhr
Vom Bild aus
Praktisch-künstlerische Zugänge zu Filmvermittlung
mit Katja Lell

Kinos sind Orte, in denen Bilder und Töne unsere Sinne bespielen. Aus der Bewegung heraus lösen sich manchmal einzelne Eindrücke und setzen sich fest. Agnès Varda hat im Jahr 1982 im Gespräch mit anderen einzelne Fotos befragt, mit der Linse abgesucht, hineingezoomt, sich im Bild bewegt. Entstanden ist die Serie „Une minute, pour une image“. Entlang ihrer Idee arbeiten wir im Workshop mit Standbildern aus Filmen der Duisburger Filmwoche und suchen dabei sinnlich-körperliche Erfahrungen auf. Verschiedene Perspektiven zeigen, wie Filme erst im Moment ihrer Aufführung entstehen und ihre Bedeutung stets ausgehandelt wird. Wie können sich im Kino diese differenten Wahrnehmungen begegnen?

Katja Lell arbeitet zurzeit als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für Medien Köln mit einem Schwerpunkt auf inklusive, diskriminierungskritische Perspektiven des Kinos sowie als stellvertretende Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Ästhetischen Erziehung an der Universität zu Köln.

Donnerstag, 5. November, 10:00–13:00 Uhr
Was kann Kino?
Dimensionen eines Möglichkeitsraums
mit Birgit Kohler

Kino ist keine feste Größe – angesichts von technologischen, kulturellen und gesellschaftspolitischen Umbrüchen muss es sich immer wieder neu erfinden und sein Selbstverständnis justieren. Das Berliner Arsenal hat im Jahr 2025 den Umzug an einen neuen Standort und die Herausforderung, ein Jahr Programmarbeit ohne eigenes Kino zu machen genutzt, um an anderen Orten das Potenzial des Kinos und seiner lokalen und internationalen Netzwerke zu erkunden. Anhand von ortsspezifisch kuratierten Programmen in Algier, Berlin und anderswo gehen wir im Workshop mit einem Fokus auf dokumentarische Arbeiten der Bedeutung des Kinos als sozialem Raum und Ort von Reflexion und Austausch nach und fragen, wie Filme es möglich machen, die Welt anders zu sehen und zu denken.

Birgit Kohler ist Ko-Leiterin des Kinoprogrammbereichs am Arsenal Filminstitut in Berlin. Daneben gehörte sie von 2002 bis 2019 dem Auswahlkomitee des Forums der Berlinale an und verantwortete 2019 als Interims-Leiterin das Hauptprogramm der Sektion. Als Kuratorin wie auch als Autorin widmet sie sich vor allem den vielfältigen Formen des zeitgenössischen Dokumentarfilmschaffens sowie dem internationalen Autor*innenkino der Gegenwart. Außerdem ist sie als Lehrbeauftragte an Universitäten und Filmhochschulen tätig.

Donnerstag, 5. November, 14:30–17:30 Uhr
Vom Material aus kuratieren
Feministische Archivarbeit
mit Gaby Babić und Lou Deinhart

Filmdosen, Schreibmaschinenseiten oder Fotografien – in Form von unterschiedlichen Materialien tritt die Kinothek Asta Nielsen mit dem Werk von Filmarbeiter*innen in Kontakt. Aus der Kontextualisierung, Rekonstruktion und in Begegnungen stellen sich nicht nur Fragen der Bewahrung, sondern auch der Verantwortung für die Sichtbarkeit. Denn Teile der Filmgeschichte haben keine Spuren im digitalen Netz hinterlassen. Ausschließlich analog vorliegende Filme werden heute praktisch unsichtbar. Anhand von einem kleinen Konvolut der Kinothek wird im Workshop die Arbeit mit dem Archiv ganz konkret. Ausgehend davon entwickeln wir Ideen zu Kuration und Aufführung dieses Materials.

Gaby Babić arbeitet als Programmmacherin/Kulturarbeiterin für verschiedene Filmfestivals und Kulturinstitutionen, seit 2018 Leiterin der Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt. Mit Karola Gramann und Heide Schlüpmann gründete sie Remake. Frankfurter Frauen* Film Tage. Texte und Seminare zu Film. Arbeitsschwerpunkte und Interessensfelder: Film und Geschichte, Migration, Osteuropäisches Kino, Feministische Filmarbeit, Antirassismus und Antifaschismus. 

Lou Deinhart, seit 2024 wissenschaftliche Archivmitarbeit in der Kinothek Asta Nielsen, schloss das Studium der Ästhetik (M.A.) an der Goethe-Uni Frankfurt mit dem Dokumentarfilm-Projekt DIE UNEINSICHTIGEN (DE, 2024, R: Evi Rohe, Zoë Struif, Lou Deinhart) über AIDS-Aktivismus ab und arbeitete für verschiedene Kulturinstitutionen und -Festivals. Zudem Workshop-Leiter*in für feministisches Empowerment im Bereich Handwerk und Holzbearbeitung. Interessengebiete: queere und feministische Filmarbeit, Archiv-Aktivismus, partizipative und praxisbasierte Forschung, feministisches Empowerment sowie Antidiskriminierung.

Freitag, 6. November, 14:30–17:30 Uhr
Phantom Cinemas
Opportunities and Pitfalls of Neighborhood Cinema-Making
with Lennart Soberon
– Workshopsprache ist Englisch. Flüsterübersetzung können organisiert werden, bitte bei Bedarf direkt bei der Anmeldung angeben –

To whom does a cinema truly belong? While film venues are frequently celebrated as „third spaces“ that nurture community ties and foster belonging, yet we rarely ask for whom the screen flickers.

This workshop explores the opportunities and pitfalls of neighborhood cinema-making. Tracing the past and present film landscapes of Duisburg and beyond, we will examine community-focused programming in an era of gentrification. Following an introduction and interactive discussion, we will head into the city to discover key sites from Duisburg’s cinema history and meet some of its current cultural actors.

Lennart Soberon is a curator, filmmaker, and postdoctoral researcher based in Ghent, Belgium. His work deals with the intersection of cinema and the politics of space, dealing with themes of bordering and belonging. He is artistic coordinator of non-profit film theater KASKcinema.

Vergangene Gewerkshops 2025

Mittwoch, 5.11.
16:15–19:15 Uhr

Filmproduktion abseits klassischer Verwertungsökonomien mit Superzoom
Leitung: Hans Broich und Felix Leitner

SUPERZOOM Film ist eine Produktionsfirma mit Sitz in Berlin und Wien, die experimentelles Kino produziert. Anhand fertiggestellter Filme sowie Work-in-Progress-Projekte versuchen Editor Felix Leitner und Produzent Hans Broich zu zeigen, wie sich ihr Arbeitsleben als Filmproduzent*innen außerhalb klassischer Verwertungsökonomien gestaltet. Im Workshop geht es darum, Produktionsverhältnisse als ebenso gestaltbar wie die Form des Films zu begreifen und sich bewusst produktive Beschränkungen zu suchen, die es ermöglichen, wirklich an einem Film zu arbeiten – und nicht permanent Förderkriterien zu erfüllen.

HANS BROICH gründete SUPERZOOM Film während seines Studiums an der Filmakademie Wien, um experimentelles Kino zu produzieren. Der erste Spielfilm DIE ÄNGSTLICHE VERKEHRSTEILNEHMERIN (Regie: Martha Mechow, 2023, 101 Min.) wurde zu zahlreichen internationalen Festivals eingeladen, gewann den Großen Diagonale-Preis für den besten Spielfilm (2024) sowie den Erste-Preis bei der Viennale (2023) und feierte sein US-Release im Anthology Film Archives. Neben seiner Arbeit mit SUPERZOOM Film kuratiert Hans Broich seit der Spielzeit 2021/22 das Filmprogramm der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin und arbeitet als Produktionsleiter an ausgewählten Filmprojekten international renommierter Produktionsfirmen.

FELIX LEITNER ist als freiberuflicher Filmeditor tätig und gründetet zusammen mit Hans Broich die Produktionsfirma SUPERZOOM Film, dessen österreichischen Teil er seit dem leitet. Bei der Diagonale 2023 erhielt er für seine Arbeit an der dokumentarische Literaturverfilmung MENUETT den Preis für die beste künstlerische Montage eines Spielfilms.

Donnerstag, 6.11.
12–14:45Uhr
Kuratieren aus dem Archiv feministischer Filmarbeit
Fiona Berg

Als Teil des kuratorischen Teams von feminist elsewheres führt Fiona Berg in ihre archivbasierte und kollaborative Programmarbeit ein. Wie historische Programme aktualisiert werden können soll dabei im Fokus stehen. Betrachtet werden einzelne Filme und Schriftstücke sowie Beispiele diverser Filmreihen, die als Inspiration für eigene Kurationen dienen können. Ausgehend von diesem Material entwerfen die Teilnehmenden Filmveranstaltungen und erhalten eine Idee davon, wie sie diese umsetzen können.

FIONA BERG schreibt und forscht zu Film, lebt in Berlin und organisiert u. a. Filmprogramme mit der Gruppe feminist elsewheres. Ihr Interesse gilt vor allem den Infrastrukturen feministischer Filmarbeit und kollaborativen Formen von
Filmvermittlung und -aktivismus.

Freitag, 7.11.
11:30–14:15 Uhr
Das Auge im Ohr
Nika Son

Wie formen sich Wirklichkeit und Erinnerung zwischen Hören und Sehen? Der Workshop widmet sich der Beziehung von Klang und Bild im Film. Anhand von Beispielen aus der eigenen künstlerischen Praxis und aus der Filmgeschichte wird untersucht, wie Ton Wahrnehmung lenkt, irritiert und öffnet. Der Fokus liegt auf den feinen Verschiebungen – auf Momenten, in denen der Klang das Bild befragt, es verfärbt oder ihm widerspricht. Um diesen Zwischenraum weiter zu erforschen, wird es auch eine kleine praktische Übung geben. Ziel des Workshops ist es über die unsichtbare Seite des Films nachzudenken und zu hinterfragen, was wir wirklich sehen, wenn wir hören.

NIKA SON arbeitet als Musikerin, Künstlerin, Filmkomponistin, DJ und Kuratorin in Hamburg. In ihren Kompositionen, Video- und Klangarbeiten untersucht sie die multisensorische Wahrnehmung, aber auch Formen der Manipulation, bei denen das Hörbare an die Grenzen der Sichtbarkeit stößt.

Schüler*innen im Austausch über Dokumentarfilme
Schüler*innen im Austausch über Dokumentarfilme

Duisburger Klassik

Welche Filme aus unserem Archiv sagen uns heute noch etwas? Oder zeigen etwas Neues? Wie hat das Publikum damals geschaut und wie diskutieren wir den Film heute?

Junge Kurator:innen wählen Filme aus der Festivalgeschichte aus und diskutieren die Filme mit den Filmemacher:innen und dem Publikum im Kino. In diesem Jahr stellen wir die Programme jenseits des Festivals Anfang 2027 vor.

Filmkritik-Workshop

Die Duisburger Filmwoche stärkt seit 2023, gemeinsam mit der Filmplattform Jugend ohne Film, Stimmen von Nachwuchsautor:innen im Diskurs über das Dokumentarische. Unter der Leitung des Jugend ohne Film-Chefredakteurs Patrick Holzapfel und erfahrener Kritiker:innen reflektieren die Teilnehmenden über die eigene Wahrnehmung und das Schreiben als geteilte Erfahrung von Filmen und der Welt. Die daraus entstandenen Texte können auf Protokult gelesen werden. Seit 2025 entsteht zudem ein festivalbegleitender Podcast, den man hier hören kann.

2026 laden die Filmwoche und Jugend ohne Film zum vierten Mal Teilnehmer:innen zu diesem Workshop ein. Bevor die Teilnehmenden auf der Filmwoche (2. bis 8. November 2026) zusammenkommen, um Filme zu sehen, zu diskutieren und in besonderen Treffen mit Gästen in Austausch zu treten, sprechen sie bis Mitte Oktober in gemeinsamen Zoom-Sessions über Aspekte des filmkritischen Schreibens und erproben diese in Schreibübungen. Dabei entstehen Texte, die während des Festivals in einem gedruckten Zine erscheinen werden. Außerdem wird wie im Vorjahr an jedem Festivalabend eine Podcastfolge aufgenommen, die am Folgetag veröffentlicht wird.

Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film wird den Workshop erneut leiten, unterstützt von Bianca Jasmina Rauch und Lucas Barwenczik.

Festival für Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Duisburger Filmwoche
c/o VHS
Steinsche Gasse 26
47051 Duisburg

Telefon: +49 203 283-984591 / -984581
E-Mail: kontakt@duisburger-filmwoche.de

Kino

filmforum Duisburg
Dellplatz 16

0203 / 28 547-3

Diskussionssaal

BORA
Dellplatz 16a

Info & Akkreditierung 

Foyer der VHS und Stadtbibliothek Duisburg S
Steinsche Gasse 26

Mo: 14:30–17:30 Uhr
Di: 8:30–19:30 Uhr 
Mi–Fr: 9–19:30 Uhr 
Sa: 9–14Uhr 

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