Filmwoche besucht den Filmclub Münster
B wie Bartleby von Angela Summereder / (c)Praherfilm, courtesy of sixpackfilm
Unter dem Titel Text in Szene sind wir mit Filmen aus der Festivalhistorie vom 3.-6. Mai zu Gast im Filmclub Münster.
Die drei gezeigten Filme verstehen Lektüren als aktive Akte des Umgangs mit Text und versuchen filmische Formen für diese Auseinandersetzung zu finden. Das Lesen der Texte wird von Schauspieler:innen und Sprecher:innen als lautes Vorlesen erprobt, die Inhalte regelrecht vorgeführt. Es wird in und mit diesen Filmen über die Konstruktion von Wirklichkeit und Fiktion im Lesen von Texten nachgedacht. Auf sehr unterschiedliche Weise widmen sich die drei Filme so möglichen Inszenierungen von Texten. Ist ihre widerständige Wiederholung, ist ihre zarte Zugewandtheit, ist ihre historische Abstraktion in filmische Gegenwart übersetzbar? Diese Fragen und die entsprechenden filmischen Formen, mit denen die Filme verschiedenen Texten begegnen, bilden die Ausgangspunkte für die anschließenden Filmgespräche.
Den Auftakt macht am Sonntag, den 3.5.26 um 13 Uhr B WIE BARTLEBY (AT 2025, 72 Min.), für den Regisseurin Angela Summereder die berühmte Formel „I would prefer not to“ aus dem historischen Text von Herman Melville mit der Gegenwart verbindet. Ausgehend vom Dialog mit ihrem todkranken Ex-Partner, dessen nie verwirklichtes Lebensprojekt ein Film über Bartleby war, lässt Summereder Teile der Geschichte performen: von Schauspielerinnen, Rappern, Jugendlichen, Obdachlosen. Ein Akt der selbstbestimmten Aneignung und ein persönliches Vermächtnis.
Mit einem einführenden Filmplädoyer von Alexander Scholz und einem anschließenden Gespräch mit Angela Summereder.
Am Montag, den 4.5.26 um 19 Uhr setzt DIE GETRÄUMTEN (AT 2016, 89 Min.) von Ruth Beckermann unser Programm in Münster fort. Der Film basiert auf dem fast 20-jährigen Briefwechsel zwischen der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und dem Dichter Paul Celan, in dem ihre wechselvolle Liebesbeziehung archiviert ist. Beckermann versucht in der Form der dialogischen Lesung und der Probe Formen zu finden, um zu Inhalten, vielleicht sogar zu einer historisch andauernden Wahrheit der Briefe zu kommen. Ein Film über den Rausch der Gefühle, Entzücken und Erschrecken, Verlustangst, Nähe und Fremdheit – über Liebe damals und Liebe heute.
Im Anschluss spricht Moderatorin Frida Horstmann mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Kai Sina über den Film.
René Frölkes LE BEAU DANGER (DE 2014, 100 Min.) beschließt unser Programm in Münster am Mittwoch, den 6.5.26 um 19 Uhr. Beobachtet und begleitet wird darin der rumänische Schriftsteller Norman Manea: 1936 in der Bukowina geboren, 1941 mit seiner Familie in ein Konzentrationslager deportiert. Er überlebte die Gefangenschaft, wurde Schriftsteller und emigrierte 1986 aus Rumänien in den Westen. Heute lehrt und schreibt er in New York. Über diese biografischen Eckdaten des Autors informiert der Film erst spät. Er lässt der Literatur den Vortritt, begleitet Manea daheim und auf Reisen, beleuchtet dessen Vorstellungen von Lehre. Genug Raum und Zeit, um daraus eine biographische Textur zu verweben. Ein Film aus Fragmenten mit vagen Zusammenhängen statt eines kohärent erzählten Künstlerporträts.
Im Anschluss führt Alexander Scholz ein Filmgespräch mit René Frölke.
Weitere Informationen zum Programm in Münster und Tickets auf der Website des Filmclub Münster.